Ressourcenverteidigung Teil 2 Tipps zur Prävention

Im ersten Beitrag vom 21.11.2020 habe ich erklärt was Ressourcenteidigung ist, wie es ausgelöst und verschlimmert werden kann. Ressourcenverteidigung hat nichts mit Dominanz oder Rangordnung zu tun, sondern ist Normalverhalten, welches durch Lernerfahrungen beeinflusst wird. Wie angekündigt stelle ich einige Möglichkeiten zur Prävention vor. 

▪️Napf-Spiel. Nimmt dein Hund seine Mahlzeit zu sich, gehe hin und wieder mal hin und werfe ihm weitere Stücke und vielleicht auch mal etwas Besonderes wie ein Stück Käse hinein. Der Hund verknüpft die Annäherung des Menschen mit etwas sehr Angenehmem. Er muss daher nicht mit etwas Negativem rechnen und sieht keine Notwendigkeit, seine Mahlzeit zu verteidigen. 

▪️Ruhe beim Fressen & Kauen. Gestehe deinem Hund bitte einen ruhigen Platz zu, an dem er ungestört fressen und an seinen Knabbereien nagen kann. Reger Durchgangsverkehr oder andere Störungen veranlassen eher dazu abzulenken und zu schlingen. Informiere dein Umfeld, dass dein Hund auf seinem Platz bitte nicht gestört werden möchte. Besucher oder Kinder sollten den Hund grundsätzlich nicht streicheln, wenn er irgendwo liegt. 

▪️Hauptmahlzeiten nicht verdienen lassen. Nahrungsaufnahme ist ein Grundbedürfnis und das sollte ohne Bedingungen befriedigt werden. Natürlich kann das Futter oder ein Teil davon mal auf einem Schnüffelteppich oder im Gras verteilt und erschnüffelt werden (oder die über den Tag gegebenen Leckerlies von der Ration abgezogen werden zwecks Gewichtskontrolle) aber er sollte seine Hauptmahlzeiten entspannt zu sich nehmen dürfen, ohne dafür etwas für den Menschen tun zu müssen - es sich also „verdienen“ zu müssen.

▪️Tauschen. Hat der Hund etwas im Maul, was dort nicht hingehört, kann er mit einem „Tauschgeschäft“ dazu bewegt werden, es ganz ohne Sorge um einen möglichen „Wettbewerb“ darum abzugeben, weil er im Gegenzug etwas Alternatives bekommt und es somit einfach nicht nötig hat, zu verteidigen oder doch noch schnell herunterzuwürgen. Es sollte so oft es geht getauscht und darauf verzichtet werden, etwas einfach aus dem Maul oder nach dem Hund zu grabschen, sofern kein gut funktionierendes Aus-Signal trainiert wurde. 

▪️Aus / Spuck-aus / Gib-her - Signal. Mit einem zuverlässig trainierten Aus-Signal kann der Hund schnell und sanft dazu bewegt werden etwas (sein Spielzeug, einen angenagten Knochen, ein Stöckchen, Steine, etc.) auszuspucken. Auch das kann verlässlich über „Tauschgeschäfte“ aufgebaut werden. 

▪️Manipulationen ankündigen und eine Belohnung folgen lassen. Möchte ich meinem Hund z.B. die Zähne nachsehen, kündige ich das mit „Zähne schauen“ an und gestalte es positiv, in dem immer etwas Gutes folgt. Klingt menschlich und für einige vielleicht auch verrückt, ist aber nur fair dem Hund gegenüber. Er weiß nach einigen Malen was folgt, er kann sich darauf einstellen und besser damit umgehen, als wenn einfach plötzlich an ihm rumgedoktert wird.

▪️Notfälle. Natürlich kann es zu Notfällen kommen, die ein schnelles Handeln, ins Maul greifen oder zügiges wegnehmen erforderlich machen - Nachschauen ob ein Stück Knochen im Kiefer festhängt (wobei auch hier gut angekündigt werden kann), ein Runterschlucken eines gefährlichen Gegenstands verhindern, usw. 

Aber mit großer Sicherheit erträgt er es besser und hält es besser aus, wenn der Mensch beim 10.Mal einfach schnell am Maul hantiert,  wenn die 9 Male davor wie beschrieben freundlich & fair waren. Wird mit Ratschlägen wie „Der Hund muss sich jederzeit alles wegnehmen lassen“ und Strafen bei Ansätzen von RV gearbeitet, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er mit dem gefährlichen Gegenstand verschwindet oder er es noch schnell herunter würgt, weil er viele Male davor erfahren hat, wie unangenehm der Mensch werden kann, wenn er ihm etwas wegnehmen möchte! 

Für ein vertrauensvolles Miteinander 🐾💚